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Mit dem Ball bis ans Ende der Welt

29.03.2018

Wer sich um kümmert, trifft irgendwann auf Willy Schmid - BaZ 29.03.2018

Von Daniel Aenishänslin Basel.

Fussball – das sei Spass und Freude. Aber auch Wettbewerb. Zudem stehe der Fussball von heute für viel Geld. Zu viel Geld. Fussball – das ist auch Willy Schmid. Der 69-Jährige hat deutliche Spuren im regionalen Fussball hinterlassen. Ein paar sogar auf internationalem Parkett. Schmid selbst hätte sich in früheren Jahren wohl jener Kategorie Fussballer zugeordnet, «für die nicht das Geld eine Rolle spielt, sondern der Ball». Sonst hätte der aktuelle Sportchef des FC Concordia Basel, Vizepräsident der Union Schweizer Fussballtrainer sowie Schatzmeister der Alliance of European Football Coaches’ Associations kaum sein halbes Leben in dieses populäre Spiel investiert. Vielleicht sein ganzes. Willy Schmid wuchs in Riehen auf. Wie sein Bruder startete er als C-Junior beim FC Riehen. Schmid kramt in seinen Erinnerungen: «Mein erstes Spiel gewannen wir in Bubendorf 4:1 und ich schoss zwei Tore. Da dachte ich mir noch, ich sei wohl der Grösste.» Obwohl Schmid das mit einer grossen Portion Ironie sagt, kann er so schlecht nicht gewesen sein. Nur einige Jahre später spielte er in der Juniorenabteilung des FC Basel. Vergleichbar mit der Juniorenabteilung von 2018 sei diese jedoch nicht gewesen. «Wir hatten schon grosse Freude, wenn wir mal an ein Turnier ins Tessin durften», erzählt Schmid, «inzwischen spielen schon Achtjährige Turniere im Ausland.» Fussball habe sich verändert. Früher sei es noch gemütliches Stoppen, Schauen, Spielen gewesen. Heute spiele bereits eine U10 mit hohem Tempo und viel Technik, manchmal sogar mit einstudierter Taktik. «Dazwischen liegen Lichtjahre.» Willy Schmid hat alles gesehen, «trotzdem freue ich mich auf die WM in Russland und den Final der Champions League in Kiew». Was ihn im Herzen schmerze, sei, dass fast die ganze Aufmerksamkeit, gerade die finanzielle, alleine den Profis gelte. Die 98,5 Prozent aller Fussballerinnen und Fussballer, die ausschliesslich zum Spass spielten, erhielten wenig. Grundsätzlich aber bleibe die Faszination bestehen: «Fussball ist nie vorhersehbar, immer wieder neu anzusehen und stets eine andere Herausforderung.

 

Ein Ende, das ein Anfang war

Fussball ist nicht der einzige Sport, von dem Willy Schmid angetan ist. Als er FCB-Junior war, führte Rotblau noch eine Hallenhandball-Juniorenmannschaft, die in der Winterpause an der regulären Meisterschaft teilnahm. Schmid mag Rad- und Skifahren, schwärmt für Bergwandern und Bergklettern. Die grosse Liebe aber bleibt für den Vater eines Sohnes der Fussball. Der ehemalige Verteidiger trug nach der Juniorenzeit das Trikot des FCBReserveteams sowie dasjenige des damaligen Zweitligateams des FCB. Später die Farben des FC Breitenbach, FC Concordia, FC Lörrach, FC Aesch und des SC Binningen, ehe mit 39 Jahren Schluss war. Ein Ende, das eher ein Anfang war. Der von Schmids Trainerund Funktionärskarriere. Gleichzeitig trieb Schmid seine berufliche Karriere voran. Sie begann als Verkäufer und Kaufmann in der Basler Eisenwarenhandlung Strahm und führte ihn zum Einkaufsmanager von Coop. Geschäftlich war Schmid oft im Ausland unterwegs, wodurch er das Reisen schätzen lernte. Besonders ans Herz gewachsen sei ihm Südostasien. Mit seiner Partnerin zieht es ihn im April nach Vietnam. «Reisen bedeutet für mich immer Land und Leute, lokale Kultur und Sprachen kennenlernen.» Nicht minder interessiert zeigt sich Willy Schmid an heimischer Kultur. Er sei «kein guter, aber ein fröhlicher Pfeifer » in der alten Garde der Märtplatz Clique. «Für mich ist wichtig, die Fasnacht vom Morge- bis zum Endstraich miterleben zu können.» Zwischen 2006 und 2014 bekleidete Willy Schmid für den Schweizer Fussballverband das Amt des Technischen Leiters der Region Basel. In diese Zeit fällt eine Trainertätigkeit, die in einen Aufstieg mündete: Schmid brachte die Frauen des FC Concordia 2008 aus der Nationalliga B in die Nationalliga A und danach umgehend in das Konstrukt des FC Basel. «Ohne stärkere Strukturen im Hintergrund wäre ein Nationalliga-AFrauenteam nicht tragbar gewesen», erklärt er. Schmid, heute im 50-Prozent- Pensum für den FCB tätig, betreute Junioren-Teams beim FC Basel (Inter B, Inter A), das rotblaue Reserveteam (NLC), Vereine wie den damaligen Erstligisten FC Riehen, den Verbandsligisten Steinen-Höllstein sowie die Landesligisten Lörrach und Stetten. Er war Sportchef und kurzzeitig Trainer bei Delémont in der NLB. Schmid kann aber auch anders. Für den FCB fungiert er als Anlaufstelle der Dreamteams, in denen Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen Fussball spielen.


Fussball verändert

Wenn er darüber sinniert, was ihm der Fussball gegeben hat, schweifen die Gedanken von Schmid in seine Jugendund Aktivzeit. Miteinander zu reisen, sich zu organisieren oder in Lagern in Achterzimmern untergebracht zu werden, habe einen gelernt, sich zu integrieren. «Der Fussball hat mich zu einem offenen Menschen gemacht. Ohne ihn wäre ich heute wohl ein anderer.» Schmid vergisst nicht zurückzugeben. Seit 2007 ist er Technischer Leiter der Scort Foundation, die zur Football Club Social Alliance gehört. Sie bildet in ehemaligen Kriegs- oder Krisengebieten Trainer aus. Durch Training kommt Freude in den nicht immer einfachen Alltag. Scort führte Schmid nach Sri Lanka, Ruanda oder in den Libanon. Die Alliance besteht aus dem FC Basel, Werder Bremen, Bayer Leverkusen 04, der Austria Wien, Schalke 04 und neu auch Mainz 05, ist also prominent besetzt. Was als Nächstes kommt? Ganz wird Schmid die Finger nie vom Fussball lassen können. Denn Fussball – das ist auch Willy Schmid.

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